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Lausanne, Schweiz

Lausanne Tagbuch

Woche 26/2002

Versäumnisse fallen einem natürlich besonders auf in der letzten Woche. Wenn z.B. über den Place de la Palud eine riesige Schweizer Flagge gespannt ist und ich meinen Fotoapparat nicht dabei habe. Oder wenn in Genf die Weltmeisterschaften für die noch sehr unbekannte Sportart "Mit-dickem-BMW-auf-dem-Gehweg-parken-weil-man-es-so-unglaublich-wichtig-hat" stattfinden und ich dieses Großereignis fast verpasst hätte. Mit der LEB, einer zweiten U-Bahn-Linie neben der TSOL, bin ich auch nie gefahren. Kein einziges Mal bin ich mit dem Schiff über den Genfer See geschippert, obwohl das fest eingeplant war. Doch all das ist nichts im Vergleich zu dem, was ich hier alles gemacht und erlebt habe - und um die versäumten Dinge nachzuholen werde ich einfach irgendwann mal zurückkommen, ins wunderschöne Lausanne.

Abschiede sind ebenfalls an der Tagesordnung in den letzten Tagen vor der Abreise. Abschied von meinen täglichen Einkäufen in der Migros. Abschied von meinem Schweizer Konto. Abschied von der klimatisierten Bibliothek. Abschied von Genfersee und Alpen. Da war doch noch was? Ach ja - Abschied von den tollen und netten Menschen, die ich hier kennengelernt habe und die den Aufenthalt in Lausanne unvergesslich gemacht haben, gemäß dem schönen Sprichwort "It's the people, not the places!"

Woche 25/2002

Lola rennt - da musste ich also ins eidgenössische Ausland reisen, um endlich diesen modernen Klassiker des deutschen Films zu schauen. Quasi als Ersatz für unser Tandem wollten Ray und ich diesen Film schon vor längerer Zeit anschauen, aber in der hiesigen Médiathèque (siehe Woche 15) ist er nicht vorhanden. Dank einer privaten Kopie des Films hatten wir nun aber doch die Möglichkeit - und da die Médiathèque ihr klimatisiertes Heimkino (kleiner Saal mit 20 Sitzplätzen, riesigem Fernseher und DVD- bzw. Video-Abspieler) auch für eigene Filme zur Verfügung stellt, haben wir uns am Dienstag, mit Verena und Nina als Gästen, dort getroffen, um Franke Potente mit roten Haaren zu bewundern. Und das lange Warten hat sich wirklich gelohnt - obwohl ich ja schon irgendwie in etwa ungefähr wusste, was im Film wie passiert, war ich am Ende doch sehr angetan ob der rasanten und gelungenen Inszenierung, mit überraschenden Wendungen und passender Musik abseits aller Trends. Schöner Film...

La Suisse n'existe pas! Diese Feststellung, nämlich dass die Schweiz nicht existiere, war 1992 das Motto des Schweizer Pavillons an der Weltaustellung in Sevilla. Eine gewandelte Schweiz, die sich sehr sicher ist, dass sie existiert, präsentiert sich an der momentanen Landesausstellung expo.02 (siehe Woche 24 und Woche 20). Nach dem sehr kurzen und eher enttäuschenden Besuch letzte Woche haben uns Verena und ich den ganzen Donnerstag Zeit genommen, um der expo mal so richtig auf den Grund zu gehen. Bereits um 8:27 (ja, morgens!) sind wir deshalb los, um eine Stunde später in Biel anzukommen, der Stadt mit dem größten Ausstellungsgelände und mit den am interessantest klingenden Pavillons. Unser Plan, so früh wie möglich loszufahren, weil da noch nicht so viel los ist, ging natürlich überhaupt nicht auf - wir hatten die Anzahl von massenhaft einstürmenden Schulklassen als irrelevante Variable weggekürzt! Großer Fehler! Somit war gleich an der ersten Ausstellung - Strangers in Paradise der Migros - 45 Minuten warten angesagt. Hat sich aber gelohnt, denn die Fahrt auf überdimensionalen Einkaufswägen durch ein Sammelsurium an Schweizer Geschichte und Schweizer Realität ist sehr treffend inszeniert und äußerst aufschlussreich. Und so ging es dann in den anderen Ausstellungen weiter, es wurden neue Perspektiven auf das Verhältnis von Freiheit und Macht in der Schweiz gezeigt. Was wäre z.B. wenn der Wasserspiegel in der Schweiz auf 1400 Meter ansteigen würde (Territore Imaginaire)? Wie reagieren die Menschen, wenn in einem Pavillon echte Banknoten geschreddert werden? Was wünschen sich die Schweizerinnen und Schweizer für die Zukunft (Swish)? Zusammen mit einem sehr schönen Ausstellungsgelände direkt am Bieler See und beeindruckenden Architekturen war der Besuch in Biel wirklich ein Erlebnis. Da es gegen den Abend sehr schwül wurde, haben wir auf dem Rückweg noch in Yverdon Halt gemacht, weil man dort durch eine gigantische Wasserwolke hindurchlaufen kann, was wir uns sehr erfrischend vorstellten - war es auch! Gleichzeitig war am späten Nachmittag auch viel weniger los als am frühen Morgen, weshalb wir in Yverdon noch einige Pavillons mitnahmen, bevor wir völlig erschöpft den Zug zurück nach Lausanne nahmen. La Suisse existe - und sie ist sehr anstrengend!

Fête de la musique war dann diese Woche auch noch - das können sich alle TübingerInnen wie eine Mischung aus Stadtfest und Livenacht vorstellen. In vielen Kneipen und auf öffentlichen Plätzen spielten Freitag jede Menge Bands bis spät in die Nacht. Alle Konzerte waren kostenlos - dafür gabs aber auch keine großen Namen sondern Nachwuchs und Lokales, was aber ja nicht negativ sein muss. Nach einer ausgiebigen Aufwärmrunde vor dem Bleu Lezard mit Ray und ihrem halben Freundeskreis haben wir uns dann zum ersten Konzert in eine der Kneipen begeben, was sich aber schnell als sehr warm herausstellt - und da es ja auch genügend Musik unter freiem Himmel gab, zogen wir bald zum Place de l'Europe weiter, wo es derben HipHop mit Double Pact gab. Obwohl niemand so richtig begeistert war blieben wir dort den halben Abend, und nach einer ausgiebigen Diskussion mit dem Kellner des Fox Café über den Sinn und Unsinn von ausreichend Wechselgeld haben wir dort noch was getrunken... nächste Woche findet fast das gleiche übrigens erneut statt, nennt sich dann Fête de Lausanne, geht über zwei Tage und soll dann sogar auch ein wenig besser sein. Da bin ich aber mal gespannt!

Woche 24/2002

Soirée d'adieu - also ein Abschiedsabend - wurde am Mittwoch von der Uni für alle Erasmus-Studis organisiert. Ziel war die expo.02 (siehe Woche 20), und zwar das Gelände Neuchâtel (mit den gelandeten UFOs). Da wir erst am späten Nachmittag losfuhren (um das kostengünstige Abendticket zu nutzen) und dann auch noch verspätet ankamen, blieben uns lediglich 45 Minuten, um die dortigen Pavillons der expo zu besichtigen. Das reichte gerade mal für Biopolis, die Gentechnik-Propaganda von Novartis (großer Schweizer Pharma-Konzern; ehemals Ciba Geigy und Sandoz), und Manna, den riesigen Pudding der Coop, in dem man wohl ein neues Verhältnis zu Nahrung und Ernährung entwickeln soll. Dann war die Zeit auch schon um und es ging weiter zum Aperitif in ein sehr schönes Restaurant, direkt am Neuenburger See mit Blick auf die Alpen der Zentralschweiz (Eiger, Mönch & Jungfrau etc.). Das anschließende Abendessen war ebenfalls sehr fein (Spinatsalat an Kirschtomaten, Geflügelspießchen, Kartoffeln mit Olivenfüllung, Fruchttörtchen, Kaffee) und zusammen mit den vielen netten Leuten war es ein sehr schöner offizieller Abschied, der auch klar gemacht hat, dass der echte Abschied alles andere als weit entfernt ist.

Der See, die Berge - diese für Lausanne sehr typische Beschreibung für den wundervollen Blick auf Genfer See und Alpen bildet nicht nur eine herrliche Kulisse für Spaziergänge oder faule Nachmittage im Park, sondern eignet sich natürlich auch hervorragend für gemütliche Grillabende. Am Donnerstag veranstaltete Juttas Wohnheim so einen Abend, an einem kleinen Stückchen Sandstrand in Vidy (das liegt zwischen Dorigny und Ouchy - alles was hier am Wasser liegt endet mit 'Y'). Es gab feine Salate (die allerdings später nicht mehr vom Sand zu unterscheiden waren) und Verena und ich hatten ein ganzes Marmeladenglas voll Knoblauchbutter mitgebracht - gerade hier in Lausanne ist die Gefahr durch herumstreunende Vampire seit Lockerung der schweizerischen Grenzkontrollen immens gestiegen. Wie wird das erst, wenn die Schweiz - wie geplant - dem Schengener Abkommen beitritt? (Achtung, der folgenden Kalauer ist wirklich schrecklich!) Nicht Schengen, sondern Schenkel - nämlich die von Hähnchen - lagen aber schon bald auf dem Grill und wir ließen sie uns schmecken, ohne weiter an die Einreiseproblematik zu denken. Vorsichtshalber nahmen sich aber doch alle eine besonders große Portion Knoblauchbutter aufs Brot - man weiß ja nie...

Fotos sind ja das Gedächtnis des kleinen Mannes (oder so ähnlich). Da ich mich nicht unbedingt als sehr klein einstufe, müsste ich demnach auch eigentlich gar keine Fotos machen; da ich aber nach meiner Rückkehr die Daheimgebliebenen auch mit Sätzen wie "Das kommt jetzt auf dem Foto gar nicht so rüber" bzw. "Da weiß ich selbst nicht mehr, warum ich das fotografiert habe" langweilen möchte, habe ich beschlossen, hier in Lausanne das eine oder andere fotografisch festzuhalten (mangels Scanner sind die Ergebnisse leider noch nicht im Internet zu betrachten). Samstag abend bin ich daher losgezogen, um das Lausanner Nachtleben auf Zelluloid festzuhalten. Auf das Ergebnis bin ich selbst sehr gespannt, so Langzeitbelichtungen sind ja immer für eine Überraschung gut - vor allem, weil ich bei den meisten Bildern keine Möglichkeit hatte, den Bildausschnitt zu überprüfen...

Woche 23/2002

Busse sind hier in Lausanne ein sehr beliebtes Fortbewegungsmittel, weil die Stadt für Fahrräder zu steil und für Autos zu chaotisch ist... zwar erlebt man in den Bussen nicht immer so verrückte Dinge wie gleich an meinem zweiten Tag hier, als ein betrunkener Eishockeyfan mit vollem Anlauf und seinem Kopf gegen die Heckscheibe rannte und sich dabei lediglich eine kleine Platzwunde an der Schläfe zuzog - während die Scheibe größeren Schaden nahm und wir Fahrgäste in den nächsten Bus wechseln durften. Doch dank einer Überzahl an total veralteter Busse (die jeweils noch einen zweiten Wagen als Anhänger mitschleppen) kann man sich hier so manchen Franken für Achterbahn und Bungeesprung sparen und statt dessen mit der 7 nach Renens fahren. Nicht so klug wäre allerdings die Idee, hier schwarz zu fahren - denn an den hiesigen Kontrollen kann sich niemand vorbeimogeln oder mit Entschuldigungen rausreden.

Waldorfschulen gibt es hier in der Schweiz auch, heißen nach ihrem Begründer Rudolf Steiner und sind ebenso alternativ wie in Deutschland. Und da ein Freund (Nicolas) der Mitbewohnerin (Anja) von Verena einem Waldorfschüler bei seiner Abschlussarbeit geholfen hatte, kamen wir Freitag Abend in den Genuss eben dieser. Bei der Abschlussarbeit handelte es sich um ein Theaterstück, oder besser gesagt einen eineinhalbstündigen Monolog mit vereinzelten Statisten. Erzählt wurde die Geschichte von "Novecento", einem Jazzpianisten der auf einem Schiff geboren wurde und dieses sein ganzes Leben lang nicht verlassen hatte - und am Ende doch von Bord gehen wollte, um das Meer endlich einmal von der anderen Seite aus zu sehen. Trotz Monolog und sehr spartanischer Inszenierung war das ganze wirklich fantastisch und sehr unterhaltend, mit vielen witzigen Einlagen ("Wie heißt das? Novecento! Nicht das Lied, sondern das Kind? Novecento! Genauso wie das Lied?"). Und weil sich das alles in einem kleinen Dorf weitab von Lausanne abspielte, folgten wir nach der Vorstellung noch der Einladung ins Haus des Künstlers, wo der Erfolg mit Champagner, Pinot Noir und jeder Menge gutem Essen gefeiert wurde. Und obwohl ich ständig darauf wartetet, meinen "Ich bin nur ein Freund der Mitbewohnerin einer Freundin von Nicolas"-Satz aufzusagen, schien sich niemand wirklich zu fragen, was denn die fremden Deutschen in ihrem Wohnzimmer machen - alle waren nur unglaublich freundlich und herzlich!

Woche 22/2002

Zürich liegt ja bekanntlich auf halber Strecke zwischen Tübingen und Lausanne, und deshalb bot sich die Gelegenheit, die "heimliche Hauptstadt der Schweiz" auf dem Rückweg zu besuchen. Da man so eine Metropole natürlich nicht alleine besichtigen kann habe ich mich mit Yvonne getroffen, um mal wieder die generelle Lage der Schweiz zu besprechen. Passend dazu haben wir dann auch noch Ernstfall in Havanna angeschaut, ein lustiger Film über die Schweiz, die USA und Kuba. Da das Wetter keine großen Stadterkundungen zuließ haben wir uns kurzfristig entschlossen, die Zürcher Cafélandschaft zu erkunden - mit großem Erfolg. Und dass ich in Zürich in drei verschiedenen Migros eingekauft habe brauche ich ja wohl nicht extra erwähnen, oder?

Fête de la bière - das muss man natürlich unweigerlich an Oktoberfest oder Wasen denken. So ein Bierfest hat hier in Lausanne aber reichlich wenig mit typisch deutscher (?) Bierzeltgemütlichkeit zu tun. Vielfalt ist angesagt, wenn 212 verschiedene Biersorten aus aller Welt verkauft werden - trotzdem verstehen sie am Anglo-Saxon Pavillon nicht, wenn eine echte Amerikanerin ein echt amerikanisches Bier bestellt. Aber während bei uns wahrscheinlich Ernst Mosch und die Original Egerländer angesagt wären - ersatzweise die No Angels - spielen hier lokale Nachwuchs-Rockbands und verwandeln das ganze so eher in ein nettes Openair als in ein bierseliges Zeltgelage...

Geburtstag feiern war am Samstag dran - und zwar den von Ray. Als einziger Deutscher unter lauter Frankophonen war ich natürlich etwas außen vor - aber das wäre ich ja in Deutschland auch, wenn ich zu einer Party alleine hingehe und niemanden wirklich kenne; auch die zahlreichen Hinweise darauf, dass es eine gute Chance für die Partybesucher wäre, ihr Deutsch aufzubessern, wurden überraschenderweise komplett ignoriert. Trotz allem war es ein sehr interessanter Abend mit sehr netten Leuten und vor allem reichlich gutem Essen. Eigentlich hätten die unzähligen Apéros schon gereicht, um satt zu werden, aber es gab noch einen Hauptgang mit Salaten, Hähnchen, Pizza und zu guter Schluss auch noch diverse Nachspeisen...

Woche 21/2002

Die Schweiz ist ja gerade aus politikwissenschaftlicher Perspektive äußerste interessant, wie bereits zahlreiche Einträge in mein Gästebuch gezeigt haben. Deshalb war ich auch sehr froh, als ich die Möglichkeit erhalten habe, das Länderdossier über die Eidgenossenschaft bei europa-digital zu erstellen. Gleichzeitig war ich dadurch auch endlich mal gezwungen, das ganze Basiswissen über das politische System hier zu lernen. Oder wusstet ihr, dass die Zauberformel seit 1959 besteht? Oder dass die 200 Nationalräte zwar alle vier Jahre in Gesamterneuerungswahlen gewählt werden, die Wahl der 46 Ständeräte aber von Kanton zu Kanton verschieden ist? Hat mich auch alles sehr erstaunt...

Chile ist ein Staat in Südamerika, der länger als breit ist - viel mehr weiß ich über dieses Land auch nicht. Da Patricia aber für die nächsten 3 Monate dort ein Praktikum absolvieren wird habe ich mich diese Woche kurzfristig entschlossen, übers Wochenende nach Tübingen zu fahren. Neben Patricias Abschied war natürlich auch das Clubhausfest der Fachschaft Politik ein gebührender Anlass, um mal wieder an den Neckar zu reisen - Grund dazu hätte ich ja eigentlich immer! Nicht versäumen möchte ich an dieser Stelle die Erwähnung von Halloumi, einem zypriotischen Käse, der sich bei jeder Grillparty als Tausendsassa und perfekter Fleischersatz herausstellt.

Woche 20/2002

Fribourg ist der französische Name für Freiburg. Und so ein Freiburg gibt es nicht nur im deutschen Breisgau, sondern eben auch hier in der Schweiz, auf halber Strecke zwischen Lausanne und Bern. Und da die Schweiz ja bekanntlich meistens sehr schön ist, haben Verena und ich uns Samstag Abend spontan entschlossen, eben dieses Fribourg mal zu besuchen. Der erste Eindruck war dann aber ziemlich enttäuschend und wir waren schon kurz davor aufzugeben, als wir doch noch in ein nettes Viertel gefunden haben, mit schönen Häusern, alter Stadtmauer und beeindruckendem Talblick. Die Krönung war dann aber das Café, in das wir nach langem Hin und Her schließlich geraten sind - unter lauter Einheimischen sind wir aufgefallen wie bunte Hunde und waren irgendwie die Attraktion des Abends. Trotz bizarrem Ambiente waren alle sehr freundlich und am Ende hat ein netter Herr sogar unsere Rechnung bezahlt - wirklich ganz nett, dieses Fribourg.

Expo 02 - so nennt sich die schweizerische Landesausstellung, die nach langem Hin und Her dieses Jahr endlich stattfindet. Mit großem Tamtam wurde jahrelang darum gestritten, wie und wo und ob überhaupt diese Ausstellung ablaufen soll und darf. Jetzt findet sie vom 15. Mai bis zum 20. Oktober im sogenannten Drei-Seen-Land statt, womit die Region zwischen den vier Austragungsorten Yverdon-les-Bains (siehe Woche 11), Neuchâtel, Murten und Biel gemeint ist. Viel faszinierender als die Expo selbst ist wohl die Tatsache, dass uns die Uni Lausanne - quasi als Werbung für die Schweiz - den Eintritt zur Expo fast geschenkt hat. Für nur 10 Franken haben wir (also die Erasmus-Studis) ein Paket bekommen, das den Eintritt für drei Tage enthält (nicht konsekutiv), drei Bahnfahrten zur Expo und wieder zurück (jeweils 48h gültig) sowie den offiziellen Expoführer - alles zusammen im Gesamtwert von 250 Franken...

Der Spanier an sich feiert ja unglaublich gerne und laut. So auch heute Nacht, als ich nach einem netten Abend im Zelig (mit Live-Musik) um die Ecke zum St. Francois bog - glücklich darüber, meinen letzten Bus noch zu erreichen. Doch dank einiger Hundert spanischer Fußballfans - da hatte wohl der 1. VEB Mallorca was Wichtiges gewonnen - sah es gar nicht so aus, als ob überhaupt noch Busse fahren könnten; die ganze Strasse war voller fahnenschwingender und biertrinkender Menschen, die Polizeit leitete weiträumig um. Als ich da dann so auf meinen 7er wartete habe ich überlegt, wie das wohl wäre, wenn nächste Woche Bayern München gewinnt - dürfen dann auch 200 betrunkene deutsche Fans mitten in Lausanne "Deutschland! Deutschland!" rufen? Wahrscheinlich ja, aber nur wenn sie sich brav in Zweierreihen aufstellen, bei den Händen halten und vorher alles beim Ordnungsamt beantragt haben...

Woche 19/2002

Diese Woche war natürlich auch einiges los - Tandem, Vorlesungen, einen rapport intermédiaire abliefern etc. - aber das war alles nicht so wichtig, weil Mittwoch Abend Christiane angekommen ist und wir ein wunderschönes Wochenende in Lausanne, Bern und Interlaken verbracht haben, mit Fondue essen, Berge schauen, am See sitzen und (dank sehr mäßigem Wetter) einige Museen von innen betrachten. Mein tolles knallrotes T-Shirt mit weißem Kreuz, dass ich mir in Interlaken gekauft habe, dürft ihr dann alle bewundern, wenn ich wieder zurück in Tübingen bin...

Woche 18/2002

Die amerikanischste Universität der Schweiz sei Lausanne, hatte ich vor meiner Abreise noch gelesen (wohlgemerkt, in dem entsprechenden Buch über die besten Unis Europas war das positiv gemeint). Hier hätten die Profs keine Sprechzeiten, hieß es in dem Buch weiter, sondern man gehe einfach hin wie und wann man will und träfe immer auf ein offenes Ohr. In der Tat, fast alle Büros hier sind im wahrsten Sinne des Wortes gläsern und im Gang davor befinden sich jeweils nette kleine Sitzecken. Doch mit der erwähnten (und ja im Endeffekt auch sehr unsinnigen) Erreichbarkeit der Profs ist es nicht ganz so weit her. Oft genug sind es nur die Assistenten (entsprechend unseren Tutoren), mit denen man Referate usw. besprechen kann, und auch die sind nicht immer zu den angegebenen Zeiten im Büro anzutreffen. Aber vielleicht ist ja genau so auch in Amerika...?

Wetter ist hier natürlich auch ein Thema - vor allem in dieser Woche. Dienstag war nämlich mit Abstand der heißeste Tag des Jahres - die Sonneneinstrahlung wirkte direkt auf das Sprachzentrum und somit entwickelte sich das Tandem mit Ray auch eher zu einem "gemeinsamen Nicht-Sprechen auf deutsch". Doch das war's dann auch schon mit der vermeintlichen Herrlichkeit - pünktlich zum Tag der Arbeit (der in diesem Kanton übrigens NICHT gefeiert wird) erinnerte uns das Wetter daran, dass es auch anders kann. Ab Mittwoch hat es dann die ganze Woche lang nur noch geregnet. Ich hoffe doch sehr, dass dieses Wetter nicht länger als 7 Tage anhält - es dürfte ruhig ab nächsten Donnerstag wieder schöner sein... mehr verlange ich ja nicht!

Die Evolution hatte sich vor nicht allzu langer Zeit ebendiese genommen, um mal rückblickend ihre bisherige Tätigkeit zu betrachten; "um zu sehen, was ich bisher so alles zustande gebracht habe", wie sie selbst, mit einem leicht selbstgefälligen Unterton, meinte. Immer wieder war in den letzten Jahr(tausend)en Kritik an ihrer Existenz laut geworden - sie nehme sich selbst zu ernst; "die kann einfach nicht über sich selbst lachen, total unfähig zur selbstkritischen Reflexion" - mit diesen Worten brachte die Mutation vor einigen Äonen den Hauptkritikpunkt auf einen Nenner.
Doch das wollte die Evolution nicht auf sich sitzen lassen und beschloss eines Tages - es wahr wohl an einem Sonntagnachmittag, so kurz nach halb fünf - eine neue Spezies hervorzubringen: deutsche Juristinnen und Juristen! Doch schon bald war es mit der Freude ob dieser putzigen Gesellen vorbei, denn - geschützt durch allzeit griffbereite Sonnenbrillen und grüne Wachsjacken - breitete sich diese Spezies immer mehr aus. Die natürlichen Feinde - empirische Wissenschaften und Juristenausbildungsreform - wurden durch rosarote Blusen und ebensolche Polo-Hemden vor der Gefahr gewarnt und somit auf Distanz gehalten. Selbst die an vielen Universitäten eingerichteten Sonderforschungsinstitute zur Analyse des Phänomens wurden - in einer Nacht- und Nebelaktion, nach ein oder zwei Cocktails im Haus der Stumpfsinnia! (fakultativ schlagende Argumente; Farbe-bekennend) - von dieser hinterlistigen Spezies übernommen und fortan zur eigenen Reproduktion genutzt. In der Zwischenzeit ist keine Studienrichtung mehr immun gegen diese heimliche Unterwanderung - und die Evolution sieht mal wieder alt aus!

Woche 17/2002

Präsentieren war heute angesagt, und zwar einen Text von Michael Keating zum Thema "Size, Efficiency and Democracy: Consolidation, Fragmentation and Public Choice". Und genauso wie es bereits der Titel erahnen lässt war der Text dann auch - man wusste selbst nach dem zweiten oder dritten Lesen nicht wirklich, was der Autor eigentlich sagen will (und das trotz Rhetorik im zweiten Hauptfach). Nach ursprünglicher Überlegung, die beiden Ansätze (Fragmentierung bzw. Konsolidierung kommunaler Gebietskörperschaften) auf die dahinterliegenden ökonomischen Paradigmen zurückzuführen (Vertrag vs. freie Wahl) haben William und ich (ja, es sind hier zwei Personen nötig, um einen 20seitigen Text zu präsentieren) uns dafür entschieden, einfach die jeweiligen pro- und contra-Argumente neu zu strukturieren und tabellarisch zusammenzufassen. Das war dann wohl auch genau das, was Dozent und Assistenten hören wollten...

Das Wochenende war dann - nach der erfolgreichen Präsentation und einem sehr ruhigen Freitag - noch mal ganz schön vollgepackt. Los ging es am Samstag mit einem Ausflug nach Bern und Gruyères (wo der berühmte Käse herkommt). Bern ist eine wirklich schöne Stadt, viel gemütlicher und wahrscheinlich auch studentischer als Lausanne. Die Besichtigung des Bundeshauses - also des Sitzes des eidgenössischen Parlaments - war dann zwar nicht wirklich spannend, aber unglaublich aufschlussreich in bezug auf die politische Kultur der Schweiz (selten zuvor hat eine Nation so viele mythische Symbolik zur Erschaffung und Aufrechterhaltung ihrer Identität gebraucht). Den Abend haben wir dann im wunderschönen Gruyères verbracht - natürlich mit traditionellem Abendessen (Currygeschnetzeltes an Reis)...
Am Sonntag war Nyon, ein kleines Städtchen zwischen Lausanne und Genf, Ziel eines kleinen Besuchs, um das dortige internationale Filmfestival zu besuchen. Unter dem Titel "Visions du Réel" wurden dort experimentelle und/oder dokumentarische (Kurz-)Filme präsentiert, die man sonst höchstens nachts um drei Uhr auf arte zu Gesicht bekommt. Da uns drei Filme am Stück aber doch ein wenig zu viel erschienen haben wir uns erst mal in ein Café am See gesetzt und gefrühstückt (obwohl der Kellner von der Idee nachmittags um zwei nicht sonderlich begeistert war). Die beiden anschließenden Filme "Tom" und "A Bookshelf on Top of the Sky" waren dann zwar jeweils ganz interessant, aber irgendwie ist mir auch klar geworden, warum sie normalerweise nur nachts um drei auf arte laufen.

Kleinigkeiten sind es, die man hier jeden Tag hinzu lernt - vor allem in bezug auf die Sprache. Bisher habe ich angenommen, dass die französische Entsprechung für "hektisch" schlicht und einfach "hectique" ist, weil es eben wie ein wirklich französisches Wort aussieht und vor allem klingt, wie die Inkarnation der gesamtheitlichen frankophonen Lautmalerei - kurzum: wie der einzig nötige Grund, um fortan nur noch Französisch zu sprechen. Doch das Wort existiert nicht mal - wenn man hier hektisch ist, dann ist man genervt (enervé) oder nervös (nerveux). Aber ihr könnt euch sicher sein dass mein Brief an den Petit Larousse bereits unterwegs ist - wie soll denn eine so tolle Sprache ohne ein so tolles Wort auskommen?

Woche 16/2002

Gähnende Leere (im wahrsten Sinne des Wortes) war bei meinem heutigen Sprachkurs angesagt. Gerade mal drei Studierende hatten sich am frühen Morgen (naja, 10 Uhr) eingefunden, um das participe présent und seine Anwendung als gérondif einzuüben. Bei uns (also in Tübingen) findet im Laufe des Semesters ja auch ein gewisser TeilnehmerInnenschwund statt - aber wenn man eben nur mit 10-15 Personen anfängt, bleibt da nicht mehr viel übrig. Kam mir auf jeden Fall vor wie auf einer teuren und ganz tollen Privatschule, mit zwei anderen Diplomatenkindern aus Japan und Spanien - und da soll noch jemand sagen, früh aufstehen lohne sich nicht!

Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz hies der Film, den wir am Mittwoch in der Cinémathèque Suisse angeschaut haben. Eingeladen hatte die SASC (Service des Affaires Socio-Culturelles), die sich schon seit letzten Oktober durch diverse Aktivitäten um alle Austauschstudierenden kümmert; unter anderem auch durch Einladungen zu ganz besonders lustigen Filmen. Im Gegensatz zum letzten Streifen (Traffic), der gar nicht très drole war, stellte sich Beresina als extrem lustiger Film über die Schweiz heraus, voller Seitenhiebe auf die schweizerische Geschichte und die Identität(sprobleme) der Eidgenossen.
Und weil die Uni natürlich auch hier viel zu viel Geld hat, gab es anschließend noch ein feines Abendessen im angrenzenden Restaurant - und das alles für nur 10 Franken.

Heisse Maronen sind ja bekanntlich (?) sehr typisch für die Schweiz - zumindest kann man hier im Winter an jeder Ecke diese Köstlichkeit erwerben, so wie bei uns Currywurst und Kebab. Doch kaum lugen die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings hervor, werden sämtliche Maronenbuden mir nichts dir nichts in Eisbuden umfunktioniert. Erste Erfahrungen mit einem Bananasplit in einem örtlichen Café haben aber ergeben, dass die größere Nähe zu Italien das Eis keinesfalls besser schmecken lässt als in Deutschland.

Woche 15/2002

Videos und DVDs muss man sich hier nicht teuer ausleihen, sondern kann sie (dank Studienfach cinéma) in der Médiathèque der Uni anschauen. Zwar gibt es da nicht die letzten Blockbuster aus Hollywood, aber wer auch nur ein wenig cineastischen Anspruch besitzt wird hier schnell fündig - von Woddy Allen über Wim Wenders bis hin zu Quentin Tarantino gibt es hier einige Schmankerl zu entdecken, ganz zu schweigen von der sehr umfangreichen Akira Kurosawa-Sammlung... erst diese Woche habe ich erfahren, dass man in einer Zweigstelle der Bibliothek sogar Videos und DVDs ausleihen kann. Natürlich sind alle etwas neueren und besseren Filme ständig verliehen, aber es hat immer noch zu Allens "Love and Death" sowie Hitchcocks "Rope" gereicht - fantastische Filme...

International ging es zu, als mich Ströhli am Freitag besuchen kam. Aus dem schwedischen Uppsala eben mal ins schweizerische Genf, um in der dortigen UNO-Bibliothek kostenlos Kopien abzustauben. Im Lausanner La Luna (man beachte den dezenten Einsatz rhetorischer Figuren, deren Namen ich bereits vergessen habe) haben wir uns dann bei Bier, Cola und/oder Kaffee über die Frage unterhalten, ob es "da habe ich gesessen" oder "da bin ich gesessen" heisst. Sehr interessant war auch die Tatsache, dass ein Kollege von Ströhli, der gerade von Lausanne aus einen Austausch in Uppsala macht (aber eigentlich aus Basel kommt) am selbigen Abend noch einen Kollegen getroffen hat, der wiederum gerade mit mir zusammen Politiques Suisses durchsteht. Lausanne ist eben auch nur ein Dorf!

Tomaten-Zucchini-Gratin (s. Woche 12) war wieder mal Dreh- und Angelpunkt des Samstagabends. Obwohl Emily zwar im Prinzip sehr erfreut war über Verenas Maggi-Fix-Geschenk, konnte sie doch - mangels deutscher Sprachkenntnisse - nicht wirklich etwas damit anfangen. Deshalb wurde ich unter dem Vorwand einer Einladung ins Haus gelockt, um die Gebrauchsanweisung ins Französische zu übersetzen. Netterweise durfte ich dann sogar mitessen und anschliessend haben wir noch die drei letzten Folgen der 5. Staffel von "Buffy contre les Vampires" sowie ein bisschen "Loft Story" (quasi Big Brother à la française) geschaut - très amusant!

Woche 14/2002

Computer sind dazu da, Probleme zu lösen, die wir ohne sie gar nicht hätten - diese Erkenntnis hat sich bei meinem Aufenthalt in Tübingen bestätigt, als ich versucht habe, Christianes neuen alten HP Vectra VL zum Laufen zu bekommen. Immerhin weiss ich jetzt, dass sehr alte Mitsumi CD-Laufwerke eine eigene Controllerkarte haben (obwohl der Anschluss wie IDE aussieht) und dass es nicht besonders sinnvoll ist, sich die Win98-Installationsdiskette von einer schwedischen Homepage herunterzuladen. Das alles hat zwar rein gar nicht mit Lausanne zu tun, aber irgendwo muss ich diese weltbewegenden Erkenntnisse ja loswerden...

Woche 13/2002

Tandem war diese Woche mal wieder angesagt, nachdem Ray und ich erst mal gemeinsame Lücken im neuen Stundenplan suchen mussten. Montag wurde mein Französisch auf die Probe gestellt und wir haben uns die diversen Ferienaktivitäten (Prüfungen, Berlinurlaub etc.) erörtert. Dienstag kam dann die "Revanche" und wir haben uns (auf deutsch) über die ganze Bandbreite des internationalen Filmschaffens unterhalten - von 8 Femmes über Azzurro bis Rocky. Etwas missglückt war allerdings mein Versuch, um jeden Preis Blues Brothers in die Diskussion einzubringen...

Ostern steht vor der Tür und auch hier machen sich viele Studierende möglichst früh auf den Weg in die wohlverdienten Feiertage. Dieser Umstand bescherte mir am Donnerstag eine gemütliche Vorlesung zu urbaner Politik - inklusive Dozent waren wir lediglich zu viert. Nach einer Stunde war dann auch schon Schluss und ich konnte mühelos meinen Zug nach Basel erreichen, von wo aus es weiter nach Efringen-Kirchen ging, um dort einige geruhsame Tage zu verbringen.

Woche 12/2002

Studieren bedeutet auch hier für Viele ein zur-Schule-gehen-auf-höherem-Niveau. Zur Grundausstattung gehören Textmarker in mindestens 4 Farben und ein Tipp-Ex-Stift - wie würde das denn aussehen, wenn sich in den Vorlesungsmitschrieben korrigierte oder sogar durchgestrichene Wörter fänden? Sehr gut gefallen hat mir auch die Variante, eine Vorlesung auf weißem Papier mit darunterliegendem Linienblatt mitzuschreiben - man weiss ja nie, ob man Teile des Manuskripts nicht später mal seinem Schatzi als Brief schicken möchte ("Gerade höre ich hier eine Vorlesung über den anthropologischen Strukturalismus bei Lévi-Strauss und dessen Auswirkungen auf den poststrukturalistischen Feld-Habitus-Ansatz bei Bourdieu (Mitschrieb als Anlage), da musste ich unweigerlich an Dich denken...").

Supermärkte gibt es in der Schweiz natürlich auch, aber wie so vieles sind auch sie ein kleines bisschen anders. Fast schon religiösen Charakter hat dabei die grundsätzliche Frage: Migros oder Coop? Diese beiden Supermarktketten (jeweils genossenschaftlich organisiert) konkurrieren um die Vorherrschaft und bedienen sich schon seit geraumer Zeit modernerer Rabattmarkenheftchen (Cumuluskarte bei der Migros, Supercard bei Coop), um die Kunden an sich zu binden. Unwissende, wie zum Beispiel ausländische Austauschstudierende, begehen oft den Fehler, mal in der Migros, mal im Coop einzukaufen - da brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn sie immer gleich als Auswärtige auffallen.
Achso, EPA und Manor haben auch eine Lebensmittelabteilung, und bei Denner (laut eigener Aussage immer 10% billiger als Migros und Coop) und Pick-Pay (angeblich der Alkohol- und Zigaretten-Ableger der Migros) bekommt man billige Markenware - aber wen interessiert das schon?

Tomaten-Zucchini-Gratin kann man auf vielerlei Art und Weise zubereiten. Nachdem wir letzte Woche à la Maggi-Fix-Beutel ausprobiert hatten (Verenas Variante) wollte ich im zweiten Teil des Kochduells beweisen, dass man das alles auch à la main machen kann. Dank diverser (und nebenbei bemerkt, unglaublich innovativer) Apéros rückte dann aber das Hauptgericht etwas in den Hintergrund, weshalb wir uns nach endlosem Hin und Her auf ein Unentschieden einigen mussten. Zur Beruhigung der Gemüter gab es dann noch Shrek ("Hell no, I don't like no parfait!") auf einem Medion Notebook, dazu aufgetautes Tiramisu aus der Migros.

Woche 11/2002

Zurück in der Schweiz wurde ich am Sonntag mit einem beeindruckenden Alpen-Panorama empfangen. Die Uni wartete diese Woche hingegegen - etwas unspektakulärer - mit einigen sehr guten Vorlesungen sowie einem äußerst interessanten Lektüre-Forschungs-Seminar über schweizerische Lokalpolitik (Transformations et enjeux de la politique locale en Suisse) auf. Bin schon gespannt, wie (bzw. ob) ich das mit meinem français approximatif meistern werde.

Modern und rückständig zugleich - das ist eine Schweizer Eigenart, die mit Sorgfalt gepflegt wird. So z.B. in der Universitätsbibliothek, in der ein äußerst forschrittlicher Automat zur selbstständigen Bücherausleihe steht. Einfach Leseausweis und die gewünschten Bücher unter einen Scanner halten und schon darf man alles mit nach Hause nehmen. Direkt danaben befindet sich die Annahmestelle für Bestellungen aus dem Magazin - was anderswo über ein elektronisches Online-Bestellsystem läuft wird hier mittels einer altmodischen Rohrpost gelöst, mit der man die Anforderung des gewünschten Buches weiterleitet. Da jedoch fast alle Bücher frei zugänglich sind benötigt man diesen Service eher selten; außerdem sind die angeforderten Bücher bereits nach 2-3 Stunden abholbar - also doch nicht ganz so rückständig.

Yverdon-les-Bains, eine kleine Stadt zwischen Lausanne und Neuchâtel und irgendwo zwischen "ziemlich langweilig" und "gar nicht mal so interessant", war am Samstag Ziel eines kleinen Ausfluges zusammen mit Verena und Emily. Dank diverser Fotoapparate waren wir natürlich auffällig wie bunte Hunde (loups blancs) und nachdem wir auch noch den örtlichen Spielplatz belagert und alle Kinder vertrieben hatten waren wahrscheinlich viele Bewohner kurz davor, die Polizei zu rufen. War aber nicht nötig, wir sind dann ganz von alleine wieder verschwunden und haben den Abend im Le Barbare bei Getränken (hier gibt es die beste heiße Schokolade der Stadt) und einem Croque-Monsieur ausklingen lassen...


Verantwortlich für alles: Tobias Schächtelin 2002